Jüdische Mitbürger

Verlegung von Stolpersteinen für die Familie Max Liebenstein vor ihrem
ehemaligen Wohnhaus Aschenberg Str. 2 am 30.09.2021
Mit der Verlegung von vier Stolpersteine im Rahmen der ACHAVA Festspiele
2021 will der Verein der Natur – und Heimatfreunde ein Zeichen setzen und
daraufhin weisen, dass unsere ehemaligen Mitbürger nicht vergessen sind. Trotz
des Namens „Stolpersteine“ geht es nicht um ein tatsächliches Stolpern um
hinzufallen, sondern man stolpert mit dem Kopf. Die Aktion wurde begleitet
von Schülern der hiesigen Regelschule.
Stolpersteine wurden verlegt für:
Max Liebenstein
Frieda Israel geb. Liebenstein Schwester von Max
Rosalie Lewin geb. Liebenstein Schwester von Max
Meta Liebenstein Schwester von Max
Der 5.Stein für Therese Liebenstein, Schwester von Max, die der Euthanasie
zum Opfer fiel, konnte nicht mit verlegt werden, weil zu wenige Daten
vorliegen.
Die Metallplatten auf den Steinen sollen erinnern, wer einst in diesem Haus
wohnte und welches Schicksal sie erlitten. Die Platten werden mit der Zeit durch
Schmutz und Witterung matt. Deswegen sollten sie von Zeit zu Zeit gesäubert
werden. Eine Aufgabe von Schülern und Lehrern unserer Schulen, die im
Rahmen der Projekttage diese Pflegearbeiten übernehmen könnten. Gleichzeitig
würde dadurch der Vergangenheit der ermordeten Mitbürger gedacht, so der
Vereinsvorsitzender Fritz – Eberhard Reich während seiner Ansprache.

Die Vertreibung der Thüringer Juden Juni
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In Bad Liebenstein sind seit dem 19. Jahrhundert einige jüdische Familien / Personen zugezogen, ohne dass es zur Bildung einer jüdischen Gemeinde am Ort gekommen ist. 1871 wurden 22 jüdische Einwohner gezählt, die zur jüdischen Gemeinde in Barchfeld   http://www.alemannia-judaica. de/barchfeld_synagoge.htm  gehörten.

Die Unterlagen des MGV Sängerkranz 1857 e.V. Bad Liebenstein enthalten als einen ihrer Mitbegründer den Kaufmann Joseph Bärenz Liebenstein. Es handelt sich dabei um den Vater der Gebrüder Max und Bernhard Liebenstein sowie weiterer 9 Geschwister. Als Kaufmann hatte er im  Gebäude des späteren Thüringer Hofes einen Kramladen geführt. http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/p82e7b0cbe6a2149a/.

1891 eröffnete J. Weil's Witwe ein streng koscheres Restaurant in Bad Liebenstein, das sie jedoch nach einigen Wochen nach Friedrichroda verlegt hatte.

1895 wurden zehn jüdische Einwohner gezählt.
Um 1900 betrieb die Familie Sander aus Coburg eine streng koschere Restauration und Pension im Sommerbetrieb am Ort. Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 4. Mai 1903:  "Koscher Koscher. Bad Liebenstein in Thüringen. Sanders Restauration und Pension. http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/p0e5aad28a54aa878/ .
Streng rituell unter Aufsicht. Referenz: Seiner Ehrwürden Herr Rabbiner   Dr. M. Hildesheimer, Berlin, sowie der Hamburger Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. Prospecte gratis."

Auch die koschere Küche im Logierhof http://www44.jimdo.com/app/ s06790cd3cc8612fc/p75ab01775c6717f0/   ist Ende des 19.JH mit steigenden Umsätzen genannt.

Max Liebenstein mit Familie hatte unter der Geschäftsbezeichnung "J.R. Liebenstein, Bad Liebenstein" ein Manufaktur-, Kurz-und Wollwarengeschäft in der Aschenbergstraße 2 geführt  http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/p6d4d4f529e91a143/.

Rosa Liebenstein hatte vermutlich im Gebäude von Hofinstallateur Schwarz einen Kurzwarenladen betrieben  http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/pdc931c87ef4a4820/.

In den 1920er Jahren ist in der Hauptstraße 202 ein Restaurant & Pension Heilbrunn (israelitisch, streng rituell) in Griebens Thüringer Waldführer (1922) erwähnt. Das war neben dem älteren, kleinen Kaffee Aschenbach  errichtet worden (späteres Theaterkaffee) ! 
http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/pf33f1ad749b4fe2d/
  
1924 wurden noch acht jüdische Einwohner gezählt. Unter ihnen waren vor allem die Angehörigen der Familie(n) Liebenstein (Max Liebenstein führte das Geschäft der Eltern weiter in der Aschenbergstraße 2; Bernhard Liebenstein hatte ein Textilgeschäft in der Hauptstraße 21, http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/p23e67141c360fc26/).

Familie Liebenstein hatte 1910 die Erlaubnis zur Anlage eines privaten jüdischen Friedhofes am Ort (unterhalb Steinbachs) bekommen ( Dieser Friedhof wurde vermutlich schon mit dem Erweiterungsbau der Bahnlinie Liebenstein-Steinbach 1927 stark beeinträchtigt und nach 1962 eingeebnet). Überreste dieses Friedhofes konnten noch Anfang der 1970er Jahre in der Nähe des Bahndammes vor Steinbach aufgefunden werden - J.u.W.Malek.
(siehe auch km 2,9 der Bergwerksbahn http://de.wikipedia.org/wiki/Steinbacher_Bergwerksbahn ) !

Nach 1933 sind mehrere der jüdischen Einwohner auf Grund der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts, der zunehmenden Entrechtung und der Repressalien weggezogen beziehungsweise ausgewandert. Unter ihnen Berthold Liebenstein nach Kenia - er starb Anfang 1940 in Kenia; Hans Liebenstein nach Kapstadt (Südafrika) und Horst Liebenstein nach Beendigung seines Studiums 1938 über Ellis Island nach New York. Er änderte seinen Namen in Harry Horst Livingston. In Hartford gründete er 1946 die Firma Horst Engineering  http://www.horstengineering.com/company/history/.  Am 13.September 2012 wäre er 100 Jahre alt geworden. Er verstarb 1998 86-jährig vermutlich in Hartford.  http://www.horstengineering.com/company/news/general-news/horst-rolf-liebensteins-centennial-birthday/ 

 

Bernhard Liebenstein http://www.heimatfreundebali.de/heimatgeschichte/b%C3%BCrger/b-liebenstein/  geboren 1883, lebte mit seinem Bruder Max bis in die 1930er in Bad Liebenstein. Ein weiterer Bruder war  Albert Liebenstein, geboren 1869 unter insgesamt elf Geschwistern aus der Familie Liebenstein - und alle wuchsen in Bad Liebenstein auf.
Die Töchter von Bernhard Liebenstein, Ilse Hartmann und Margot Merin, geb. Liebenstein (* 1925 ), emigrierten in die USA .
Albert ( *1869) ein weiterer Bruder der Familie Liebenstein,  ging mit 16 Jahren nach Südamerika und Samoa, 1897 ließ er sich im damaligen Deutsch-Südwestafrika nieder und baute dort eine Farm und Geschäfte auf. Noch heute ist auf Karten im namibischen Gibeon-Distrikt eine Farm mit dem Namen Liebenstein verzeichnet.  Bis Ende der 1950er Jahre blieb Albert in Windhuk, 1962 starb er in einem Altersheim in Südafrika.
Alan Merin, ein Arzt aus Texas, und Dennis Walder, ein emeritierter Literaturprofessor aus London, vorher Südafrika, kannten sich bis vor wenigen Jahren nicht. 
Der Großvater von Alan  Bernhard Liebenstein (* 1883) und der Großvater von Dennis  Albert Liebenstein (* 1869) waren Brüder und weitere neun Geschwister wuchsen in Bad Liebenstein auf.
Zu den Geschwistern der Familie gehörten vermutlich Frieda Israel (* 1878, + 1942 Theresienstadt) geb. Liebenstein und Rosa Liebenstein (vermutlich Rosalie Lewin (*1882, + 1942 Ausschwitz),( die einen Kurzwarenladen  in unserem Ort betrieben hatte ) sowie auch Meta Liebenstein (* 1885, + 1942 Ausschwitz) und die behinderte  Therese Liebenstein (*08.11.1872, + 1940 Hildburghausen).
Alan und Dennis besuchten im Juli 2013 mit Familienangehörigen unseren Kurort und wurden vom Bürgermeister, Dr. Michael Brodführer empfangen.

1934 existierte in Bad Liebenstein-Schweina das Bankhaus Wachenfeld & Gumprich
http://www44.jimdo.com/app/s06790cd3cc8612fc/pd684ffd5546f6c4c/


Am 1. November 1937 gab es noch einige jüdische Einwohner in Bad Liebenstein: das Ehepaar Max und Antonie Liebenstein im Textilgeschäft in der Aschenbergstraße 2; sowie der Bruder von Max - Bernhard Liebenstein mit seiner Frau Emma und den beiden Töchtern Margot und Ilse. Auch die behinderte Schwester Therese sowie Rosalie Liebenstein wohnten noch im Ort.
  Das Schicksal der Jüdin Arsa Issakowitsch,die in den 1930ern in Schweina lebte und später nach Liebenstein umgezogen war, konnte ebenso recherchiert werden http://www31.heimatfreundebali.de/heimatgeschichte/bürger/issakowitsch/.
Beim Novemberprogrom 1938 wurden die Geschäfte und Wohnungen der Familien Liebenstein durch SA-Leute überfallen; die beiden Männer wurden in das KZ Buchenwald verschleppt und wahrscheinlich nach Zustimmung ihrer Enteignung wieder entlassen. 
1939 wurde Max Liebenstein zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, weil er "gehässig und bösartig über Wirtschaftsangelegenheiten des Deutschen Reiches" gesprochen habe. Nach seiner Rückkehr zog er mit seiner Frau nach Frankfurt. Max Liebenstein wurde 1941 in Kowno (Kauen),Kaunas, Litauen ermordet.
Seine Frau Antonie starb am 28.Mai 1941 eines natürlichen Todes.
siehe Sterberegister weiter unten...
1942 erfolgten die Deportationen von Johanna Krimmer (Grumbachstraße 27) sowie Werner Eisner und Bernhard Liebenstein. Siegfried Fröhlich, der nichtjüdisch verheiratet war, wurde gegen Ende des Krieges deportiert, überlebte jedoch die Zwangsarbeit in einem Lager an der Saaletalsperre.

Von den in Bad Liebenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen ( Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945"):

Frieda Israel geb. Liebenstein ( (* 27.03.1878 in Liebenstein, Bad)

Frieda Israel Liebenstein was born in 1878. Prior to WWII she lived in Frankfurt am Main, Germany. Frieda was murdered in 1944 in Theresienstadt, Czechoslovakia. This information is based on a List of murdered Jews from Germany found in Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Bundesarchiv (German National Archives), Koblenz 1986.

geborene Liebenstein,  geboren am 27. März 1878 in Liebenstein, Bad / Meiningen / Sachsen - Meiningen,  wohnhaft in Frankfurt a. Main, Kreuznach, Bad und Gelnhausen, Deportationsziel: ab Frankfurt a. Main, 01. September 1942, Theresienstadt, Ghetto, Todesdatum/-ort:  25. März 1944, Theresienstadt, Ghetto http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Theresienstadt

Johanna Krimmer (* 08.08.1882 in Liegnitz)

Johanna Krimmer was born in Liegnitz, Germany in 1882. Prior to WWII she lived in Bad Liebenstein, Germany. During the war she was in Bad Liebenstein, Germany. Johanna was murdered in the Shoah. This information is based on a List of persecuted persons found in List of Jews from Thuringia deported 10/05/1942.

geboren am 08. August 1882 in Liegnitz / - / Schlesien
wohnhaft in Liebenstein, Bad :Deportationsziel: ab Weimar - Leipzig
10. Mai 1942, Belzyce, Ghetto http://de.wikipedia.org/wiki/Belzyce

Rosalie Lewin (* 20.01.1882 in Liebenstein, Bad)

geboren am 20. Januar 1882 in Liebenstein, Bad / Meiningen / Sachsen - Meiningen,  wohnhaft in Stavenhagen

Inhaftierungsort:  10. Juli 1942 - 11. Juli 1942, Ludwigslust, Durchgangslager

Deportationsziel:  ab Hamburg / Bielefeld - Berlin

11. Juli 1942, Auschwitz, Vernichtungslager
 

Liebenstein, Therese

geboren am 08. November 1872 in Liebenstein, Bad / Meiningen / Sachsen-Meiningen
wohnhaft in Liebenstein, Bad und Hildburghausen (Heil- und Pflegeanstalt), Therese war die Schwester von Max Liebenstein und behindert, deshalb ist sie in Hildburghausen umgebracht worden
Todesdatum: 1940
Todesort: unbekannte Heilanstalt (vermutlich Hildburghausen)
Schicksal: Euthanasie   https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4

 

 

Max Liebenstein (* 02.02.1877 in Liebenstein, Bad)
Max Liebenstein was born in 1877. Prior to WWII he lived in Frankfurt am Main, Germany. Max was murdered in Riga. This information is based on a List of murdered Jews from Germany found in Gedenkbuch,

geboren am 02. Februar 1877 in Liebenstein, Bad / Meiningen / Sachsen - Meiningen,  wohnhaft in Frankfurt a. Main

Deportationsziel:  ab Frankfurt a. Main
22. November 1941, Kowno (Kauen), Fort IX, Todesdatum/-ort:
25. November 1941, Kowno (Kauen), Fort IX http://de.wikipedia.org/wiki/Kowno

Antonie Liebenstein, geb. Katzenberg  (* 16.12.1883, + 28.05.1941 in Frankfurt a./M. ) siehe Register von Yad Vashem unten und Sterberegister oben

Meta Liebenstein (* 14.03.1885 in Liebenstein, Bad)

geboren am 14. März 1885 in Liebenstein, Bad / Meiningen / Sachsen - Meiningen,  wohnhaft in Hamburg

Deportationsziel: ab Hamburg / Bielefeld - Berlin, 11. Juli 1942, Auschwitz, Vernichtungslager http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Auschwitz

Eli (Elli) Mark (* 05.02.1878 in Liebenstein, Bad)
Elli Mark was born in Bad Liebenstein, Germany in 1878. Prior to WWII she lived in Halle an der Saale, Germany. During the war she was in Halle an der Saale, Germany. Elli was murdered in the Shoah.

geboren am 05. Februar 1878 in Liebenstein, Bad / Meiningen / Sachsen - Meiningen,  wohnhaft in Halle a. d. Saale

Deportationsziel: ab Kassel - Halle,  01. Juni 1942, Izbica / Sobibor

Todesdatum/-ort:  03. Juni 1942, Sobibor, Vernichtungslager http://de.wikipedia.org/wiki/Sobibor


Zu DDR-Zeit wohnte in der Villa Feodora Adele Schiffmann. Sie war Jüdin - siehe http://www.heimatfreundebali.de/heimatgeschichte/b%C3%BCrger/schiffmann/
Überliefert ist, dass sie zum Beispiel Gruppen von Kindern und Jugendlichen aus ihrem Leben erzählt hat und dazu auch umfangreiches Material präsentieren konnte.
Wie aber nach dem Mauerfall bekannt wurde, durfte sie gerade von den Erlebnissen ihrer unfassbaren Biografie die wichtigen Geschehnisse  nicht weitergeben.

Krankenmord in Hildburghausen Euthanasie
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Auszug aus dem Register von Yad Vashem
Auszug aus dem Register von Yad Vashem

Weiterführender Link:  

 www.alemannia-judaica.de